von Lydia Lammermann-Henning
In der Schaumburger Nachrichten lese ich doch tatsächlich die Tage: Schminkschule mit Diagnose fürSchminkschule die Haut. An zwei Wochenendtagen findet ein Kurs in der VHS, Bückeburg, statt. Mal ganz etwas anderes als die sonstige Palette an Kursen, bei denen es heißt:“ Tu etwas für die Gesundheit“. Die Haut, als größter Teil des Körpers, ist nicht weniger wichtig als andere Körperteile, zumal das Gesicht, worum es hier gehen soll, ganz besonders den starken Wetterbedingungen ausgesetzt ist.
Wie viel kann man doch am Gesicht eines Menschen ablesen? Wie oft hat man schon gehört: „ Du siehst wieder besser aus. Ich hörte, dass du krank warst“, und freut sich darüber, dass anderen die Genesung ohne Worte darüber auffällt. Ungern hört man dagegen: „Was ist mit Dir los? Du gefällst mir gar nicht. Du hast schon mal besser ausgesehen“, und doch haben wir alle diese oder ähnliche Wort auch schon einmal selbst gehört oder auch gesagt. Keine Aufmunterung und man kann nur antworten: „ Ja leider, im Moment ist der Wurm drin. Man ist keine 20 mehr.“ Wir alle, jünger oder älter, sitzen bei dieser Erkenntnis in einem Boot. Die Anregung in der Zeitung, einen Kurs zu belegen, ist der Schlüssel zum Handeln. Zu zweit geht der Start in die Schulung nach dem Motto:“ Wer nichts tut, kann auch nichts erwarten “oder auch: „Wie es drinnen aussieht, geht keinem etwas an“. Wir finden eine nette Runde jeden Alters im Lehrraum vor. Teilnehmer haben in unterschiedlicher Vielfalt ihr Handwerkszeug mit Produkten vor sich auf Tisch ausgebreitet.
Die Kosmetikleiterin Patience Johnson begrüßt die Runde und steigt nach der gegenseitigem Kontaktaufnahme in das Fachgebiet der Haut ein. Dann werden anhand des eigenen Schminksortiments die positiven Eigenschaften oder negative Auswirkung der Produkte im Hinblick auf den entsprechenden Hauttyp erörtert. Die Leiterin demonstriert an Teilnehmerinnen ihre Vorgehensweise. Umgehend bittet die Fachfrau eine junge Dame aus der Runde, zu ihr nach vorn zu kommen. Die Aufgeforderte hat lockiges, blondes Haar. Die Lippen sind mit ausdrucksvollem Rot hervorgehoben. Die kompetente Kursleiterin geht auf die Bedeutung der leuchtenden Farbe unter Berücksichtigung der beruflichen Tätigkeit ein. Daher hält sie eine dezente Farbe für empfehlenswert und verändert dabei den Farbton der Lippen. Im weiteren Schminkvorgang hebt sie geschickt, bezogen auf den vor sitzenden Typ, Augenbrauen, Wimpern und Lider im Einklang mit der Gesichtsform positiv hervor. Die anderen Teilnehmerinnen sind begeistert. Eine andere, blasse, auf den ersten Blick unscheinbare Dame lässt sich beraten und wird sehr vorteilhaft und hautfreundlich versorgt. Zwischendurch sagt die Kosmetikerin: „ So jetzt schauen sie mal in den Spiegel. Wie sehen sie sich jetzt?“ Die Dame nickt erfreut und ist zugleich über das veränderte, vorteilhafte Aussehen erstaunt. Ihre Antwort kommt prompt: „Was wird mein Mann sagen.?“ Bei einer bereits selbst geschminkten Teilnehmerin korrigiert die Leiterin die farblosen Augenbrauen und ein schwarzer Stift wird angesetzt. Die Dame ist damit nicht zufrieden. Das Lob der Nachbarin schlägt fehl. Die Geschminkte reagiert mit den Worten: „Ich mag das nicht. Mir ist das zu dunkel“. Die eigene Meinung wird individuell akzeptiert. Die Fachfrau geht auf das eigene Wohlbefinden ein. Sie erzählt: „ Ich arbeite auch mit Ärzten zusammen, wo es darum geht, den kranken Menschen beratend zu helfen.“ Schnell findet die Fachfrau die individuellen Probleme der einzelnen Damen heraus. Fachliche Anweisungen erteilt Johnson unter Zuhilfenahme ihres Sortiment an pflanzlichen Präparaten. Bei diesem Seminar stelle sie fest,“ sagt die Fachfrau, „dass die Schminktechnik der Augenbrauen das größte Problem darstelle. „Wenn sie damit einverstanden sind, üben wir die Technik mit dem entsprechenden typgerechten Farbton.“ Gesagt, getan. Am darauffolgenden Tag wird unter Anleitung der Kosmetikerin mit Unterstützung der anwesenden Praktikantin geschickt gearbeitet. Die blasse Frau, die am Vortag vom Profi geschminkt wurde teilt dem Kurs die Reaktion ihres Partners mit: „ Mein Mann hat die Veränderung sofort bemerkt und mein Aussehen bewundert.“
Den Höhepunkt der kosmetischen Kunst darf die Seniorin Veronika Korff in Anspruch nehmen. Die 65- Jährige bekommt eine phantastisch frische Gesichtsfarbe. Sie ist im Ruhestand und möchte etwas für sich tun, da sie ihre Freizeit sehr aktiv gestaltet. Gern betreut sie ihre Enkel, sonst ist sie im BSG Sportverein oder im Kegelverein anzutreffen. Außerdem liebt sie Wanderungen, geht gern ins Theater und Kino. Für ihre Gesundheit muss sie auf Anraten des Arztes etwas tun und nun, da die Befunde gut sind, belohnt sich die Seniorin zur Selbstbestätigung mit der „ Schminkschule“. Angefüllt mit aufgefrischtem und neuem Wissen trennen sich die Damen. Sie werden weiterhin für eigenes Wohlaussehen sorgen. Die Fachkosmetikerin setzt sich mit der Praktikantin ins Auto. Andere Städte und Schulungen sind eingeplant.